Nörd­li­cher Grune­wald

Panoramablick

Südli­cher Grune­wald

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Der Grune­wald war ein riesi­ges Wald­ge­biet zwischen Char­lot­ten­burg und Pots­dam und ging südlich fast bis zur Stein­bahn, der ersten von Carl Gott­hard Lang­hans gebau­ten befe­stig­ten Chaus­see Preu­ßens, die vom Pots­da­mer Platz über Schö­ne­berg, Steglitz und Zehlen­dorf nach Pots­dam führte.

Zehlendorf und Umgebung 1870
Neue Karte Vom Grune­wald. Simon Schropp’sche Hof-Land­kar­ten-Hand­lung, [1870].

Und so beginnt die Tour nicht im Wald, sondern am S‑Bhf. Wann­see (nörd­li­cher Ausgang), der frühe­ren Wald­grenze.

Die Fahr­rad­tour ist 19 km lang und ihren Verlauf habe ich auf dem Routen­pla­ner komoot veröf­fent­licht, der kosten­frei genutzt werden kann.

Grune­wald­seen­kette

Ich radel ein kurzes Stück auf dem Kron­prin­zes­sin­nen­weg, biege in die Scabell­straße ein und dann weiter bis zu ihrem Ende am Wann­see. Dort befinde ich mich auf dem Mündungs­ge­biet eines frühe­ren, am Nollen­dorf­platz entsprun­ge­nen Fließ­ge­wäs­sers, der Grune­wald­seen­kette. Und damit ist gleich neben dem Wald das zweite zentrale Themen dieser Tour ange­spro­chen, die Trink­was­ser­för­de­rung mit ihren Folgen für die Land­schaft.  

Grunewaldseenkette mit Angabe der Geomorphologie
Grune­wald­seen­kette. GEOPORTAL BERLLIN (farb­lich verän­dert) kombi­niert mit Open­Street­Map

Niko­las­see

Dieser Grune­wald­seen­kette folge ich aufwärts bis zum Grune­wald­see, zunächst an Feucht­wie­sen des einsti­gen Niko­las­gra­bens und dann am Niko­las­see entlang, sehr schön, aber ein Fake. Es ist nicht der ursprüng­li­che See, der war 1910 ausge­trock­net und ein nicht natur­ge­treuer Niko­las­see 2.0 wurde ange­legt.

Der durch­ge­hende Verlauf eines Fließ­ge­wäs­sers ist nur zu erah­nen, weil wegen des Baus der S‑Bahn sowohl hinter der Feucht­wiese an der Borus­sen­str. als auch am Ende der Rehwiese bei der Spani­schen Allee die tiefer­lie­gen­den Gelände zuge­schüt­tet wurden.

Rehwiese

Knapp 2 km geht es an der Rehwiese entlang, an der seit 1888 30.000 m3/Tag Wasser geför­dert wurden. Seit eini­gen Jahren erfolgt dies nur noch begrenzt, um vern­ässte Berei­che zu bewah­ren, wofür auch gleich­zei­tig der Gehölz­wild­wuchs zurück­ge­drängt wird. Im Blick auf die ökolo­gi­schen Leistun­gen eines Moores gilt die Rehwiese als Nega­tiv­bei­spiel.

Die nun zu über­que­rende Spani­sche Allee hieß ursprüng­lich Wann­see­str. und wurde nicht Spani­ens, sondern der faschi­sti­schen Legion Condor „zu Ehren der Zerstö­rung von Guer­nica“ von den Nazis umbe­nannt. Im Stile west­deut­scher „Vergang­heits­be­wäl­ti­gung“ hat man Jahr­zehnte später die Ecke Spani­sche Allee/Tewsstr. in Guer­nica-Platz als Kompen­sa­tion der ursprüng­li­chen Namens­än­de­rung der Nazis umbe­nannt und Spani­sche Allee beibe­hal­ten. An dem Platz steht kein Haus, einen menschen­lee­ren Platz in Guer­nica-Platz zu benen­nen, ist eine Schän­dung.

Schlach­ten­see

Am Schlach­ten­see folge ich dem nörd­li­chen Ufer und blei­ben von nun an im Wald. Die Wald­bil­der, die Zusam­men­set­zung des Waldes mit unter­schied­li­chen Baum­ar­ten, wech­seln häufig. Der Grune­wald hat eine sehr abwechs­lungs­rei­che Geschichte hinter sich und die Zusam­men­set­zung des Waldes zeugt deut­lich davon.

Der Schlach­ten­see wird am Südende künst­lich mit aufbe­rei­te­tem Havel­was­ser vom Wasser­werk Beelitz­hof gespeist. Über den Wolfs­schlucht­ka­nal fließt es weiter zur Krum­men Lanke und dann über den Fenngra­ben zum Grune­wald­see. Das ist also die Umkeh­rung der ursprüng­li­chen Fließ­rich­tung vom Liet­zen­see und Nollen­dorf­platz in den Wann­see. Derar­ti­ges ist auch bei der Kuhlake im Span­dauer Wald gesche­hen, wo eben­falls Folgen über­mä­ßi­ger Trink­was­ser­ent­nahme ausge­gli­chen werden muss­ten.

Krumme Lanke, Riemei­ster­fenn und Langes Luch

Die Tour folgt weiter der Grune­wald­seen­kette aufwärts bis kurz vor dem Grune­wald­see. An der Krum­men Lanke passiere ich den Ort des unauf­ge­klär­ten RAF-Mordes an Ulrich Schmücker. Am Über­gang zum Riemei­ster­fenn stand ein Wasser­werk, das abge­brannt wie auch weitere kleine zwischen­zeit­lich still­ge­legte Wasser­werke reak­ti­viert werden soll, um den Spit­zen­be­darf im Sommer mit abfan­gen zu helfen. Es geht dem Fenngra­ben und dem Riemei­ster­fenn entlang weiter zum Langen Luch.

Beim Wolfs­schlucht­ka­nal und Fenngra­ben erfol­gen Regen­was­ser­ein­lei­tun­gen, die durch Staub, Luft­schad­stoffe, Abrieb der Stra­ßen­decke und Auto­rei­fen, Ölver­lu­ste, Laub, Exkre­mente von Tieren, Streu­gut im Winter usw. stark verun­rei­nigt sind. Nach stär­ke­ren Regen­fäl­len kommt es immer wieder zu Fisch­ster­ben, weil der Abbau der einge­schwemm­ten orga­ni­schen Stoffe viel Sauer­stoff verbraucht. Um die Bela­stung der Gewäs­ser zu redu­zie­ren, werden an den Haupt­ein­lei­tungs­stel­len Reten­ti­ons­bo­den­fil­ter.

Grune­wald­gra­ben

Ich verlasse die Grune­wald­seen­kette und radel zum Grune­wald­gra­ben. Dieser ist in der Mitte der Karte gut zu erken­nen. Post­fenn, Teufels­fenn, Pech- und Bars­see liegen in ihm. Die näch­sten 2 km geht es auf dem Weg zum Grune­wald­gra­ben eben­erdig auf der Grund­mo­räne des Teltows zu einer

Düne mit Fleder­maus­quar­tier

Wo einst mitten im Grune­wald die US-Army 26 ober­ir­di­sche Muni­ti­ons­de­pots errich­tet hatte, sind nun Dünen mit einem Winter­quar­tier für Fleder­mäuse entstan­den.
Bei der weite­ren Tour treffe ich kurz vor dem Bars­see auf Berlins

Größte Kiefer

Frei­ste­hende Kiefern sind für mich die schön­sten Bäume, sie bilden ganz indi­vi­du­elle Kronen aus, sind farb­lich nicht fest­ge­legt, ihre Rinde wech­selt die Farbe von rot zu schwarz. Zusam­men mit den Birken sind sie die radi­kal­sten Pionier­baum­ar­ten. Die schön­sten Kiefern im Grune­wald fand ich auf dem Havel­hö­hen­wan­der­weg, karto­gra­phiert auf komoot.
Und dennoch wird aus zwei Grün­den über die Kiefern heftig geklagt: ihre Brand­ge­fahr und ihr Wasser­ver­brauch.

Ich wechsle das Thema, ich komme nun nämlich zu einem See, leider zu einem ehema­li­gen, dem
Bars­see
In den 50er Jahren ging ich zur Schule, da war die Saubucht mit über 3 m tiefen Pech- und Bars­see, in dem damals Barsche lebten, ein belieb­tes Ausflugs­ziel. Der See hat sich seit­her sehr gewan­delt, es gibt ihn so gut wie nicht mehr, das soll sich nun ändern. Es geht nicht nur um den Erhalt des Sees, sondern auch um die klima­tisch so notwen­dige Rena­tu­rie­rung von Mooren.

Himmels­teich
Auf dem Weg zum Pech­see liegt links von mir ein klei­nes sehr schön ausse­hen­des Gewäs­ser, so soll­ten die ande­ren Seen hier auch ausse­hen. Aller­dings ist es ein Biotop aus 2. Hand. Bei der Muni­ti­ons­be­räu­mung des Bars­sees hatte hier das schwere Gerät den Boden derart verdich­tet, dass sich der kleine Himmels­teich bildete (Schwer­ter zu Pflug­scha­ren). Und wenn ein neuer Lebens­raum entsteht, kommt es zu einer explo­si­ons­ar­ti­gen Vermeh­rung von Pionier­ar­ten, peu à peu kommen danach weitere Arten hinzu.

Pech­see
Beim Pech­see finde ich eine nicht ganz so weit fort­ge­schrit­ten Situa­tion wie am Bars­see.

In der Ausstel­lung WassEr­le­ben im Ökowerk wird dies und der Zusam­men­hang mit der Wasser­för­de­rung sehr gut darge­stellt.

Die näch­sten Touren:

Anste­hende Veran­stal­tun­gen

Wer über geplante Touren infor­miert werden möchte, melde sich bitte bei info(at)radtouren.info an. Die Anschrif­ten werden nicht weiter­ge­reicht und es erfol­gen ausschließ­lich Infor­ma­tio­nen über geplante Fahr­rad­tou­ren.

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